#16DAYS

16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

„Sicher fühle ich mich, wenn …”

Austrian Development Agency

Unterwegs mit CARE im Norden Ugandas

Im September 2020 war die Fotografin Nyokabi Kahura gemeinsam mit CARE im Norden Ugandas unterwegs, um Menschen zu treffen, die durch das WAYREP-Projekt von CARE und Austrian Development Agency Unterstützung erhalten. In Uganda entstanden nicht nur eindrückliche und sehr persönliche Portraitfotos, sondern auch Interviews mit starken Frauen, die über ihre eigenen Erfahrungen mit Gewalt berichten. Die Portraitierten wurden gebeten, den Satz „Sicher fühle ich mich, wenn …“ aus ihrer ganz persönlichen Perspektive zu vervollständigen.

Uganda

Beatrice

„Sicher fühle ich mich, wenn ich genug Geld gespart habe, um mein eigenes Geschäft zu gründen, denn ich sehe gerade keine Zukunft nur als Ehefrau.“

Beatrice, 40, litt über Jahre hinweg unter Gewalt: „Als ich heiratete, war ich glücklich. Später erfuhr ich, dass mein Mann Affären hatte. Er kam nur mehr gelegentlich nach Hause. Seine Verwandten versuchten, mit ihm zu reden, aber er hörte nicht zu. Dann ließ er mich mit unseren drei Kindern sitzen.“ Durch WAYREP (Women and Youth Resilience Project) erhält sie psychosoziale Unterstützung durch CARE und lokale Partnerorganisationen. Beatrice denkt jetzt darüber nach, wie sie trotz ihrer Sehschwierigkeiten an Geld kommen und ein Unternehmen gründen kann, um finanziell unabhängig zu werden.

Emily

„Sicher fühle ich mich, wenn ich mit meinem Mann zusammen bin, wenn unsere Geschäfte gut laufen und wir gemeinsam unsere Zukunft entwickeln.“

Emily, 43, ist in einer Frauen-Spargruppe. „Früher wurden Mädchen als Eigentum betrachtet, mussten in der Küche arbeiten und hatten kein eigenes Land. Viele waren Gelegenheitsarbeiterinnen. Heute sehe ich große Veränderungen“, schildert sie. WAYREP hilft Emily, wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln und umzusetzen: „Im Dezember erwarte ich eine Million Schilling (Anm.: ca. 225 Euro) aus dem diesjährigen Sparzyklus, die möchte ich verwenden, um ein Lebensmittel-Geschäft zu eröffnen.“

Grace

„Sicher fühle ich mich, wenn meine Kinder gesund sind und Liebe und Unterstützung von ihrem Vater erhalten.“

Grace, 37, ist Mutter von vier Kindern. „Ich möchte andere Frauen ermutigen, über Gewalt nicht länger zu schweigen“. Grace hat den Missbrauch und die Belästigung ihrer 13-jährigen Tochter gemeldet. Durch WAYREP erhält sie psychosozialen Support. Viele Frauen fürchten sich nach wie vor, Gewalt anzuzeigen. Meist handelt es sich um Fälle, in denen die Familie nicht versorgt wird, Untreue, Drogen- und Alkoholmissbrauch, sowie Belästigung. Knapp sechs Prozent berichten von einer Vergewaltigung.

Betty

„Sicher fühle ich mich, wenn meine Arbeit als Sozialarbeiterin von der Gemeinschaft geschätzt wird.“

Betty, 45, kam vor fünf Jahren nach Gulu, einer Stadt im nördlichen Uganda. Ihr Jugendtraum war es, Nonne zu werden. Doch leider platzte der Traum durch den Aufstand in Nord-Uganda Ende der 1980er Jahre. Heute arbeitet Betty als Lehrerin und als ehrenamtliche Mitarbeiterin einer CARE-Partnerorganisation, wo sie Frauen im Kampf gegen Gewalt und Kinderhandel unterstützt. „Das macht mir große Freude. Wenn es hier Probleme mit Gewalt an Frauen und Mädchen gibt, bieten wir Hilfe an. Auf meiner Liste stehen zwölf Haushalte, die ich dauerhaft betreue.“

Mary

„Sicher fühle ich mich, wenn ich glücklich und in Harmonie mit meinen Kindern lebe, auch wenn mein Mann nicht bei uns ist.“

Mary, 55, hat fünf Kinder und zwei Enkelkinder, die alle unter einem Dach leben. Ihr Ehemann verließ die Familie vor Jahren. Seitdem ist sie auf sich gestellt. „Ich war so wütend, nachdem mein Mann uns verlassen hatte, und diese Wut hat sich auf meine Kinder übertragen. Da wir eine große Familie sind, war es manchmal schwierig, genug zu essen zu haben. Was ich verdiene, reicht nicht. Oft, wenn meine Kinder mich nach Essen fragten, schrie ich sie an.“ Mary erhält durch WAYREP regelmäßige psychosoziale Unterstützung per Telefon. „Die Gespräche waren wichtig, um meinen Ärger loszuwerden.“

Grace

„Sicher fühle ich mich, wenn ich Menschen um mich habe, die mich emotional unterstützen und die ich jederzeit anrufen kann.“

Grace litt über Jahre unter den Übergriffen ihres Ehemanns. Während des Lockdowns nutzte sie das Angebot psychosozialer Unterstützung per Telefon von CARE. Grace erhielt regelmäßige Telefonberatung von CAREs lokaler Partnerorganisation PACHEDO: „Nach jedem Gespräch mit der Beraterin fühlte ich mich erleichtert. Viele Frauen erleben Gewalt. Es ist nötig, die Männer zu sensibilisieren. Schließlich sind sie die Verantwortlichen.“

Teopista

„Sicher fühle ich mich, wenn sich meine Geschwister und Halbgeschwister nicht streiten. Es ist wichtig, dass die Familie sich gut versteht.“

Teopista, 25, arbeitet als Näherin. Sie stammt aus einer Familie, in der Konflikte zwischen ihren Geschwistern auf der Tagesordnung standen. Heute ist sie Teil von WAYREP und erhält Schulungen in Präventionsarbeit, um die im Norden Ugandas weit verbreitete Gewalt an Frauen und Mädchen zu bekämpfen. In Spargruppen gibt sie ihr Wissen an andere Frauen weiter. „Durch die Trainings kann ich Frauen in Spargruppen vermitteln, was geschlechtsspezifische Gewalt überhaupt bedeutet. Manche hatten schlicht keine Ahnung, was damit alles gemeint sein kann.“

Die Fotografin Nyokabi Kahura

CARE Österreich war es wichtig, eine einheimische Fotografin zu beauftragen, um das WAYREP-Projekt zu dokumentieren. 

Nyokabi Kahura arbeitet seit über einem Jahrzehnt als Fotografin und Kamerafrau. Sie ist eine Kennerin des afrikanischen Kontinents und seiner Menschen. Ihre Arbeit für unterschiedliche Hilfsorganisationen, Fernsehsender oder auch die Afrikanische Union haben sie nach Sambia, Somalia, Kenia, Tansania, nach Südsudan, Madagaskar, Malawi, in die Zentralafrikanische Republik, nach Kamerun, Mosambik und zuletzt in die Demokratische Republik Kongo geführt.

Nyokabi Kahura
„Ich liebe meine Arbeit, weil sie den Menschen die Chance gibt, sich zu öffnen und mir die Möglichkeit gibt, ihnen zuzuhören, wenn sie ihre sehr persönlichen Geschichten erzählen. Sie erlauben mir, ihr Bild in dem Moment einzufangen, in dem sie verletzlich, freudig, traurig und in jedem anderen Zustand sind, in den uns das Leben versetzt” erklärt die Fotografin. „Auf diese Weise gebe ich hoffentlich einen Einblick in die Dynamik, die ausmacht, wer Menschen sind, wie sie leben und wie wir uns gegenseitig beeinflussen.”

Persönliche Eindrücke auf www.care.at

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein großes Problem im Norden Ugandas. CARE Österreich und die Austrian Development Agency (ADA) reagieren darauf mit Maßnahmen, die Frauen stärken und ihnen zu einem selbstbestimmten Leben in Sicherheit verhelfen sollen. Lesen Sie mehr über die bewegenden Schicksale der Betroffenen und darüber, wie ihnen die Hilfe von CARE neue Perspektiven und Hoffnung gibt.

Frauen sollten nicht im Stillen leiden

Wenn es Gewalt gegen Frauen gibt, bieten wir Hilfe an

Ich hatte Angst, meinen Mann anzuzeigen

Früher wurden wir nicht gehört

Über die #16DAYS

Die #16DAYS gegen geschlechtsspezifische Gewalt finden vom 25. November, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, statt. Die weltweite Kampagne gibt heuer Arbeiterinnen in der informellen Wirtschaft eine Stimme. Sie tritt für die weltweite Ratifizierung der ILO-Konvention 190 gegen Gewalt und Belästigung und für ein Ende aller Formen von Gender Based Violence (GBV) im privaten und öffentlichen Raum ein.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben erhebliche Auswirkungen auf 1,6 Milliarden informell Beschäftigte, wobei Frauen in den am stärksten betroffenen Sektoren überrepräsentiert sind. Die Pandemie hat auch das Gewaltrisiko verschärft: In vielen Ländern haben die Anrufe bei Helplines für häusliche Gewalt während des Lock-Downs zugenommen. Die #16DAYS bieten für CARE eine Gelegenheit, auf die Auswirkungen von COVID-19 auf GBV und Frauen in informeller Beschäftigung aufmerksam zu machen und gleichzeitig Lösungen aufzuzeigen.

Über das Projekt WAYREP

Eines der umfangreichsten Projekte der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist das Women and Youth Resilience Project (WAYREP). Darin unterstützt CARE Frauen und Mädchen sowie junge Männer in Flüchtlingscamps und Städten im Norden Ugandas bei der Verwirklichung ihrer Rechte durch sozioökonomische Unterstützung. Das geschieht mit Spargruppen und Trainings sowie durch verschiedene Maßnahmen, die geschlechtsspezifische Gewalt reduzieren. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat zwei Hauptursachen, nämlich die Ungleichheit der Geschlechter und die Armut, die durch Vertreibung – sei es als Flüchtling aus einem Nachbarstaat oder innerhalb der Landesgrenzen – verschärft wird. Wenn Frauen und Mädchen Zugang zu einem menschenwürdigen Leben und Unterstützung bei Gewalt erfahren, ist das Risiko von Früh- und Zwangsehen sowie ausbeuterische Arbeitsformen deutlich kleiner, die Eigenständigkeit von Frauen hingegen erhöht.

WAYREP bedeutet:

Nachhaltiges Einkommen

Nachhaltiges Einkommen für ein unabhängiges Leben

Weniger Akzeptanz für Gewalt

Weniger Akzeptanz für Gewalt an Frauen und Mädchen

Hilfe für Opfer

Hilfe für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt

Schutz der Rechte

Politik zum Schutz der Rechte von Frauen und Mädchen

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Austrian Development Agency

Die Inhalte auf dieser Website sind Teil von WAYREP, einer strategischen Partnerschaft zwischen CARE Österreich und der ADA (Austrian Development Agency). Das Women and Youth Resilience Project (WAYREP) unterstützt Frauen und Mädchen sowie junge Männer in Norduganda bei der Verwirklichung ihrer Rechte durch sozio-ökonomische Stärkung, Aufbau von Widerstandsfähigkeit und Abbau von geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV).